Männergesangverein
Männergesangverein Schwäbisch Gmünd (1919 bis 1975)
Am 13. Februar 1919 schlossen sich die drei Gmünder Gesangvereine Liederkranz, Brüßler Gesangverein und Gesangverein Frohsinn zu einem Gesangverein - dem Männergesangverein Schwäbisch Gmünd - zusammen.
Unter den Dirigenten Alfons Baur (1919-1944) und Hugo Mack (1946-1968) und Hugo Mack (1946 – 1968) und den Vorständen Gustav Herzer (1919-1931) und Paul Schwab (1931-1968) erlebte der MGV eine große Blütezeit und entwickelte sich zu einem aus der Geschichte unserer Stadt nicht wegzudenkenden großen Kulturträger auf dem Gebiet des Gesangs, der Musik und der Geselligkeit.
Ob seiner Leistungen und Größe wurde der Chor im ganzen Land und darüber hinaus bekannt und geachtet. Er gehörte zu den besten im Silchergau, im Schwäbischen Sängerbund, ja sogar im Deutschen Sängerbund. Dank seines großen, umfassenden Repertoires der klassischen und zeitgenössischen Chorliteratur konnte!") ganz große Werke wie Oratorien, Opernkonzerte mit namhaften Orchestern unq Solisten, Kirchenkonzerte und große Männerchorwerke aufgeführt werden. Besonders gepflegt wurden die Schubertchöre und Silcherlieder. Der Chor besang Schallplatten und nahm an der Stunde des Chorgesangs im Süddeutschen Rundfunk teil. An Gauliederfesten, sowie an Liederfesten des Schwäbischen Sängerbundes und des Deutschen Sängerbundes wirkte der MGV maßgebend mit.
Auf gesellschaftlichem und geselligen Gebiet sei an die großen, mehrtägigen Sängerfahrten, früher mit Sonderzug, ehe der Omnibus die Straße eroberte, erinnert. Der große jährliche Faschingsball war ein Ereignis in der Stadt. Weihnachts- und Neujahrsfeiern, Familienabende pflegten die Zusammengehörigkeit der Mitglieder. Zu erwähnen ist, dass der Verein vielen Sängern und Mitgliedern die Hochzeit durch Gesang in der Kirche verschönte, dass aber auch vielen Sängern und passiven Mitgliedern der letzte Gruß ins Grab gesungen wurde. Auch beim Weihnachtssingen in den Krankenhäusern und Altenheimen wirkte der MGV mit. Viele andere Veranstaltungen in unserer Stadt bereicherte der Chor durch seinen Gesang. Einige hervorragende musikalische Veranstaltungen und wesentliche Ereignisse in der 77jährigen Geschichte des Vereins seien noch besonders herausgestellt.
Am 20. Juni 1929 wurde in Schnait der Silchergau des Schwäbischen Sängerbundes gegründet. Der MGV war der größte und bedeutendste Verein des neuen Gaues. Vorstände wurden der Volksdichter August Lämmle und Gustav Herzer, Gmünd, Dirigenten Hauptlehrer Fischer, Schorndorf und Reallehrer Baur, Gmünd. Am 30. Juni 1929 nahm der Verein am 32. Allgemeinen Liederfest des Schwäbischen Sängerbundes in Ulm am Wettsingen teil. Der Chor ersang sich im "Schwierigen Kunstgesang" mit dem Lied "Sehnsucht" von Schubert die höchste erreichbare Punktzahl. Es waren 249 Sänger auf dem Podium.
Karl Grimminger schreibt in der Abhandlung: "Aus der Geschichte der Gmünder Gesangvereine" im "Einhorn" Nr. 79, Februar 1967, S. 26: "Auf Grund dieses Erfolgs wurde der MGV von der Stadt zum Hausherrn der Übungsräume im Prediger gemacht, ein Privileg, das der Verein heute noch besitzt". Am 25. und 26. Oktober 1930 wurde das 100 jährige Jubiläum gefeiert. Man hielt damals noch das Jahr 1830 für das Gründungsjahr des Liederkranzes; denn erst im Jahr 1953 hat Stadtarchivar Deibele nachgewiesen, dass der Liederkranz bereits im Jahr 1823 bestand.
Beim Festakt am Sonntag, 26. Oktober 1930, in der Stadthalle, waren u. a. Staatspräsident Dr. Bolz, die Minister Dr. Bazille und Dr. Beyerle, der Präsident des Schwäbischen Sängerbundes Oberbürgermeister Jäckle, Heidenheim, Landrat Dr. Hoß, Oberbürgermeister Lüllig und schließlich die Schöpfer der beim Jubiläumskonzert aufgeführten Tonwerke Professor Buck, Tübingen, und Musikdirektor Karl Kämpf anwesend. Das Festkonzert wurde zweimal aufgeführt: Am Samstag, 25. Oktober und Sonntag, 26. Oktober 1930. Es waren 46 Musiker des Philharmonischen Orchesters Stuttgart und 275 Sänger auf der Bühne.
Am 24. August 1944 verstarb der Hochverdiente Chormeister Alfons Baur. Er hatte seit 1906 zuerst den Liederkranz und dann den MGV dirigiert. Nach kurzer Dirigententätigkeit von Alfons Knaupp übernahm 1946 Hugo Mack den Dirigentenstab. Im März 1947 brachte der MGV das Oratorium "Die Schöpfung" von Joseph Haydn zur Aufführung. 170 Sänger, 90 Sängerinnen des Philharmonischen Orchesters Stuttgart und namhafte auswärtige Solisten wirkten mit.
Das 130jährige Bestehen wurde mit einem großen Festkonzert am 5. und 6. Dezember 1953 gefeiert. Zur Aufführung gelangten "Die Jahreszeiten", Oratorium für Soli, Chor und Orchester von Joseph Haydn. Das Oratorium wurde zweimal aufgeführt. Zur Sonntagnachmittagaufführung war auch Ministerpräsident Dr. Gebhard Müller nach Schwäbisch Gmünd gekommen. Beim Festakt am Sonntag Vormittag im Turmtheater waren u. a. anwesend: Der Präsident des Schwäbischen Sängerbundes, der schwäbische Heimatdichter August Lämmle, der Präsident des Oberösterreichisch-Salzburgischen Sängerbundes, der Vorstand des Oberschwabengaues, Vertreter des Stuttgarter Liederkranzes, eine große Anzahl von Vereinsvorständen aus der näheren Umgebung, Landrat Burkhardt und Oberbürgermeister Kah.
Vom 19. bis 22. Mai 1955 erfolgte eine große Sängerfahrt mit dem Sonderzug nach Salzburg zum Besuch der Salzburger Liedertafel, die Ehrenmitglied des MGV war. Ein großes Konzert mit der Liedertafel im 'Mozarteum' war Höhepunkt dieser Fahrt. 1957 wurde vom Tonstudio Bauer in Ludwigsburg eine Schallplatte hergestellt. Der Männerchor sang u. a. mit dem Tenor Fritz Wunderlich "Nachthelle" von Schubert und "Mitternacht" von Bruckner. Auch bei der Veranstaltung "Neue Chormusik" in Ludwigsburg nahm der Chor mit großem Erfolg teil, ebenso wirkte er im Süddeutschen Rundfunk in "Die Stunde des Chorgesangs" mit. Am 15. Mai 1960 erfolgte die Teilnahme beim Festkonzert in der Stuttgarter Liederhalle anlässlich der 100. Wiederkehr des Todestages von Friedrich Silcher. Der MGV hatte den ehrenvollen Auftrag zur Mitwirkung bei der offiziellen Silcher-Feier des Schwäbischen Sängerbundes erhalten.
1961 hatte der Schwäbische Sängerbund dem MGV den ehrenvollen Auftrag gegeben, schwäbische Volkslieder aus dem Frühjahrskonzert auf Schallplatte aufnehmen zu lassen. Diese Lieder wurden für die Chorfeier des Schwäbischen Sängerbundes bei dem 1962 stattfindenden Deutschen Liederfest vorgeschlagen. Der MGV erhielt allgemeines Lob für diese Schallplatte. Am Palmsonntag 1962 wurde im Heilig-Kreuz-Münster "Ein Deutsches Requiem" von Johannes Brahms aufgeführt.
Am 2. August 1965 verstarb der langjährige Sängervorstand Oberschulrat Josef Waldenmaier. 1968 legte der erste Vorstand Paul Schwab altershalber sein Amt nieder. Er hat den MGV 37Jahre lang in hervorragender Weise geführt und war 60 Jahre aktiver Sänger. Er wurde zum Ehrenvorsitzenden ernannt. Als sein Nachfolger wurde sein langjähriger Vertreter Walter Stütz gewählt. Im gleichen Jahr löste Chormeister Hugo Mack sein Verhältnis zum Verein und trat von seinem Dirigentenposten zurück. Die glanzvolle Ära Mack war zu Ende. Der Chor stand mitten in den Proben für das Sonderkonzert, das der MGV beim 16. Deutschen Sängerbundesfest im Juni in Stuttgart geben sollte. Dankenswerterweise sprang Gauchormeister Hubert Beck in die Bresche. Das Sonderkonzert wurde ein voller Erfolg. Am 21. September 1969 verstarb Ehrenvorstand Adolf Bauer im Alter von 89 Jahren. 1972 übernahm Hermann Böckler den Dirigentenstab. Ehrenvorstand Paul Schwab verstarb am 6. März 1973 im Alter von 84 Jahren. Er war ein ganz Großer in der Geschichte des MGV.
Das letzte große Ereignis vor der Verschmelzung des Vereins war die Feier des 150jährigen Bestehens. Am Samstag, 10. November 1973, fand das Jubiläumskonzert statt. Es wirkten außer dem Männerchor Kammersänger Heinz Hoppe (Tenor) und das Badische Kantatenorchester Karlsruhe mit. Am 11. November 1973 wurde dem MGV die Zelterplakette überreicht. Der Präsident des Schwäbischen Sängerbundes, Willi Paulus, der Vizepräsident des Landtags und Vorsitzende des kulturpolitischen Ausschusses, Professor Erich Ganzenmüller, der Schirmherr des Festes, Oberbürgermeister Dr. Schoch, Landrat Wabro, Gauvorsitzender Jettinger und viele Vorstände befreundeter Gesangvereine waren anwesend. Ministerpräsident Filbinger schickte ein Glückwunschtelegramm. Beim musikalischen Nachmittag im Stadtgarten wirkten neben der Stadtjugendkapelle und dem Soldatenchor der 7. US Army Heidelberg viele Gastvereine durch Chorvorträge mit.
In den Jahren nach dem großen Jubiläum erhielt der Chor für die altershalber ausscheidenden Sänger leider keinen jungen Nachwuchs mehr. Um nicht zu einem kleinen, bedeutungslosen Verein herabzusinken, wurde in der außerordentlichen Mitgliederversammlung vom 14. November 1974 mit großer Mehrheit beschlossen, sich mit der "Alpenrose" und der "Liedertafel" zu einem großen, leistungsfähigen Chor, dem "Gesangverein Schwäbisch Gmünd 1823", zusammenzuschließen.
