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Vereinsverzeichnis

Liederkranz

Liederkranz (1823 bis 1919)

Der frühere Stadtarchivar Oberstudienrat Albert Deibele stellt in einer Niederschrift vom 16. Februar 1953 folgendes fest:
Als Gründungsjahr des Liederkranzes wurde seither das Jahr 1830 angenommen, da in diesem Jahre die Fahnenweihe des Liederkranzes Gmünd stattfand. Im Jahre 1930 wurde in der Landesbibliothek Stuttgart im "Gemeinnützigen Wochenblatt für Gmünd" vom 29.7.,10.8., 17.8. und 7.9.1825 das Bestehen des Liederkranzes urkundlich festgestellt. Am 6. März 1823 wurde in Stuttgart Kronprinz Karl geboren. Gmünd feierte am 17. März 1823 dieses Ereignis. Der damalige Gmünder Oberamtmann erwähnt (Remstalpost Nr. 302, Jahrgang 1942), dass bei der Feier ein "Sänger- und Musikerchor" mitgewirkt habe. Im Jahre 1825 ist der Liederkranz Gmünd im "Gemeinnützigen Wochenblatt" genannt. Es dürfte deshalb wohl kein Zweifel sein, dass der Sängerchor, der 1823 bei der Geburtstagsfeier des württembergischen Kronprinzen mitgewirkt hat, ebenfalls der Liederkranz gewesen ist.

Im Stadtarchiv befindet sich eine

"Chronik des Liederkranzes Gmünd
Herausgegeben aus Anlass seines
60jährigen Bestehens zum
61. Stiftungsfest (Cäcilienfest)
Samstag, den 22. November 1890
vom Ausschuss"

In dieser Chronik ist gesagt, dass das Gründungsjahr des Liederkranzes im Dunkeln liege. Als Gründungsjahr wurde damals noch das Jahr 1830 angenommen. Es wurde auch festgestellt, dass 1830 schon Statuten vorlagen. Erster Dirigent des Liederkranzes war Musikoberlehrer Braun vom Lehrerseminar, und zwar nachweisbar seit 1828.

Von 1834 -1837 war Feldwebel Gräber Vorstand und Direktor des Vereins. Damals waren die Dirigenten gleichzeitig auch die Vorstände. 1836 zählte der Verein 50 Mitglieder. Unterlehrer Kaiser war seit dem Jahr 1837 Dirigent des Liederkranzes. In diesem Jahr fand ein Sängerfest in Gmünd statt. 600 Sänger nahmen daran teil. Das Festsingen wurde in der Stadtpfarrkirche, dem Münster, und die weltliche Feier im Stahl'schen (Stadt-) Garten abgehalten: Im Jahr 1838 besuchte der Verein ein Liederfest in Hall und am 8.5.1839 nahm er an der Einweihung des Schiller-Standbildes in Stuttgart teil. 1839 stand Chordirektor Steinhardt an der Spitze des Liederkranzes. Er hat sich als Komponist von Orchestermessen und sonstiger kirchlicher Musik einen Namen gemacht. 1840 wurde ein Liederfest in Kirchheim/Teck besucht.
Am 27. Mai 1844 fand das zweite Liederfest in Gmünd statt. Es war ein gemischtes Fest, ein "Lieder- und Turnfest". Der Kaufmann Johann Buhl hatte in diesem Jahr einen Turnverein in Gmünd gegründet, und er war auch der Urheber dieses Gesangs- und Turnfestes. Turnvater Buhl übte nach diesem Fest einen so großen Einfluss auf die Sänger aus, dass diese ihre Proben einstellten und zu turnen anfingen. Diese Krise dauerte bis zum Jahre 1847.
1849 erfolgte die Gründung des Schwäbischen Sängerbundes, dem der Liederkranz 1850 beitrat; infolge des deutsch-französischen Krieges 1870/71 unterblieben die Singstunden bis zum Tag von Sedan. An diesem Tag trug der Liederkranz 5 patriotische Lieder auf dem Marktplatz vor. Am Ende des Krieges 1871 beteiligte sich der Liederkranz am Siegesfest und gestaltete das Cäcilienfest zusammen mit dem Kirchenchor. Erstmals fand in diesem Jahr auch die Aufführung einer Operette statt. Dies wiederholte sich nun in den folgenden Jahren; Cäcilienfest, Maskenball und Operettenaufführungen waren die Höhepunkte im Vereinsleben des Liederkranzes.

1880 wird das 50jährige Jubiläum des Vereins - verbunden mit der Weihe der neuen, prächtigen Fahne - gefeiert. Dabei wurde in einem Konzert "Oedipus auf Kolonos" von Mendelssohn-Bartholdy aufgeführt. An dem Fest, das im Neuberth'schen Garten stattfand, und am Festzug beteiligten sich alle Vereine der Stadt und über 50 auswärtige Gesangsvereine.

Ganz groß wird in der Geschichte des Liederkranzes das Jahr 1889 geschrieben. Der Chor war auf 80 Sänger angewachsen. Es wurde beschlossen, beim 22. Schwäbischen Liederfest in Göppingen am Preissingen teilzunehmen und als Preis-Chor "Herbstgesang" von Rheinberger vorzutragen. Von den Proben auf dieses Preissingen heißt es in der Chronik: "Direktor Stefan Straub wurde von dem Vizedirektor Taubstummenlehrer Jakob Beck in liebenswürdigster Weise unterstützt. Der Direktor glaubte, es schön zu haben, wenn er täglich bloß eine Stunde zu proben hätte, gewöhnlich erstreckte sich die Probenzeit auf mehrere, oft vier Stunden täglich. Die Mühe war nicht vergeblich. Es wurde ein Sieg errungen, wie ihn der Verein seit seinem Bestehen nie gesehen hatte. Der erste der beim Göppinger Liederfest zur Verteilung gekommenen drei ersten Preise ward dem Liederkranz. Groß war die Freude der Sieger, herrlich der Einzug in unsere Stadt, prächtig die Siegesfeier anderntags im Hauber'schen Garten. Mit großer Spannung wurde die Kritik erwartet. Es heißt darin u.a.:"Der Liederkranz bot die bedeutendste Leistung des heurigen Sängerwettkampfes dar. In jeder Beziehung gleich vorzüglich durchgearbeitet, konnte sie darum nach allen Seiten mit der höchsten Nummer prädiziert werden.

Im Festsaal der Liederhalle in Stuttgart sang der Liederkranz bei der "Alljährlichen Vereinigung hiesiger und auswärtiger Gesangvereine" mit großem Erfolg. Es waren nahezu 100 Sänger.

Große Reisen führten die Sänger bereits um die Jahrhundertwende durch. 1898 reisten sie nach München und Salzburg, 1904 nach Innsbruck und Bozen. In Innsbruck gaben sie ein Wohltätigkeitskonzert und eine "Ovation“ am Andreas-Hofer-Denkmal. Am 17. September 1904 wirkte der Liederkranz am Festbankett in der Stadthalle anlässlich der Einweihung des neuen Realgymnasiums in Gmünd, dem heutigen Parler-Gymnasium, mit.

Bis zum Ende des Weltkrieges 1918 fehlen Protokollbücher und Aufzeichnungen über die Tätigkeit des Liederkranzes in dieser Zeit.